Wissenswertes über eine Ausbildung in Mecklenburg-Vorpommern

Ein Helikopter-Vater oder eine Helikopter-Mutter zu sein ist nicht schlechtes. Sich sorgen darüber zu machen, ob und wie Sohn oder Tochter im Leben klar kommen, kann sich kein Elternteil abgewöhnen – das wissen wir, die wir hier arbeiten und selbst Kinder haben, die weg von zu Hause Ausbildung oder Studium machen, aus eigener Erfahrung.

 

Deswegen möchten wir hier darüber informieren, wie das Leben bei uns so ist:

 

Der Ort:
Rechlin ist ein 2200-Einwohner-Ort mit zwei Supermärkten, Kirche, Friseur, Arzt, Touristinfo und Sportvereinen. Hier ist die Luft gesund, das Wasser sauber, die soziale Kontrolle funktioniert, man lebt nachbarschaftlich zusammen und kennt sich vom Einkaufen, Volleyballclub, Segelverein, vom Mittagstisch bei Manjola oder vom Feierabendbier an der Trafostation. Es ist sehr friedlich hier, die Polizei dreht ab und zu eine Runde, aber viel zu tun hat sie hier nicht.

 

Wohnen:
Es gibt in Rechlin in Fahrradentfernung zum Betrieb ein kleines Viertel, in dem es günstige Ein-, Zwei- und Drei-Zimmerwohnungen gibt. Aber auch wir haben als Unternehmen einige Wohnungen dort angemietet, in denen WGs für Azubis und Aushilfen gebildet werden. Nach unseren Erfahrungen bekommen auch sehr junge Azubis das Wohnen und für sich sorgen ohne Eltern gut hin.

 

Ausbildung:
Wir ermutigen unsere Azubis (gegebenenfalls auch nachdrücklich), Verantwortung für sich, ihr Leben und ihre Arbeit zu übernehmen. Selbstständiges Arbeiten steht im Zentrum der Ausbildung und wir haben oft miterlebt, wie unsere Azubis an ihren Aufgaben gewachsen sind, weil in jeder Herausforderung des Betriebes auch die Botschaft an den Azubi steckt, dass die Firma ihr oder ihm die Aufgabe zutraut.
Übrigens: Für die Fahrten zur Berufsschule gibt es eine Fahrtkostenerstattung in Höhe des Bustickets, ist die Berufsschule weiter weg, zahlen wir auch die Unterbringung am Schulort. Besonders pfiffige Azubis werden auf zusätzliche Fortbildungen geschickt, schwächere bekommen Nachhilfe. Je nach Einsatzbereich stellen wir Arbeitskleidung und Werkzeug (vom Schraubenzieher bis zum Smartphone) zur Verfügung.

 

Firma:
Wir lassen die jungen Leute nicht allein: Gestellte Aufgaben und Berichtshefte werden engmaschig kontrolliert und es passiert oft, dass der ältere Facharbeiter ein halb-väterliches Auge auf den Lehrling hat. Auch ist die dörfliche Struktur hier so, dass ernsthafte Probleme nicht unbeobachtet bleiben.
Ihr Nachwuchs ist entweder bei der Kuhnle-Tours GmbH oder bei der Kuhnle-Werft GmbH angestellt. Trotz der beiden GmbHs verstehen wir uns als eine Firma. Weihnachtsfeiern, Sommerfest und andere Events feiern wir zusammen. Hier ist keiner besser oder schlechter weil er Öl unter den Fingernägeln hat oder auf Teppichboden arbeitet. Wer seinem Ausbildungsstand entsprechend einen guten Job macht, wird respektiert. Ob einer hinkt, einen fremdländischen Nachnamen oder Sommersprossen hat, kümmert da keinen. Von der Firma nicht toleriert wird Alkoholkonsum am Arbeitsplatz, von den Azubi-Kollegen und Facharbeitern nicht toleriert werden Faulpelze und Drückeberger.

 

Fazit:
Auch die besten Bedingungen werden gelegentliche Helikopter-Einsätze nicht überflüssig machen. Aber mit der Zeit stellen die meisten Eltern fest, dass die Einsätze schneller beendet sind und die größer werdenden Kinder eine Kontobewegung mehr zu schätzen wissen als eine Hubschrauberlandung.